Einleitung
Im laufe der Jahre hat sich der Westernsattel, genau wie die Westernreitdiziplinen, weiterentwickelt und spezialisiert. So gibt es auf dem Markt eine Vielfalt von Westernsättel der unterschiedlichsten Marken und Qualitäten zu ebenso breiten Preisspannen. Aus diesem Grund möchten wir mit dem Thema “Der Westernsattel” einen kleinen Einblick in dieses umfangreiche Gebiet geben.
Der Sattelbaum
Es gibt einige Kriterien die für einen guten Westernsattel sprechen, welche wir im folgenden erläutern möchten.
Die “Seele” eines Westernsattels ist sein Baum. Dieser setzt sich zusammen aus Horn, Fork, Swell, Bars und Cantle.
Bestand der Baum früher nur aus Holz, so gibt es heute verschiedene Arten von Bäumen:
* Holzbaum mit Leder (Bullenhaut) überzogen
* Holzbaum mit Prohide überzogen
* Prohide- oder Ralidebaum
* Kunststoffbaum
* Holzbaum nur teils mit Leder/Kunststoff überzogen
* flexibler Baum
Ob man nun einen Holz- oder Kunststoffbaum nimmt, ist in der heutigen Verarbeitungsqualität nur dann von Bedeutung, wenn man Roping betreiben möchte. Ansonsten sind die Kunststoffbäume ebenso langlebig wie die Holzbäume. Allerdings möchte ich trotzdem nicht versäumen zu erwähnen, daß viele Trainer zu Holzbäumen tendieren und dies damit Begründen, das es sich dabei um ein Naturprodukt handelt und somit, in einem gewissen Rahmen “flexibel” ist und sich dem Pferderücken anpasst.
Egal für welchen Baum Ihr Euch entscheidet, wichtig ist die exakte Passform auf dem Pferderücken. Von großer Bedeutung für die Passform sind u. a. die Winkelung der Bars, z.B. zur Pferdeschulter, die Gulletbreite und -höhe, die Länge des Sattels insgesamt, also Front und Back Jockeys sowie Skirt, und ebenso die Gurtung.
Empfehlen können wir den Holzbaum komplett mit Leder oder Kunststoff überzogen, oder auch den Kunststoffbaum. Die Holzbäume, welche komplett mit Leder oder Kunststoff überzogen sind laufen nicht Gefahr das Feuchtigkeit in das Holz eindringen kann und somit der Baum schaden nimmt.
Die Polsterung (Lining)
Die Unterseite eines Westernsattels hat keine Polsterung wie ein klassischer Sattel, sondern ist mit Lammfell, Schafwolle oder synthetischem Kodelvlies “gepolstert”. Aus diesem Grund ist es kaum möglich die Passform eines Westernsattels großartig zu Beeinflussen. Die Polsterung verhindert, daß das Pad zwischen Sattel und Pferderücken hin und her rutscht und sich so eventuell Fellverwirbelungen, Reibstellen oder gar Druckstellen entstehen können.
Lederqualität
Besonderes Augenmerk solltet Ihr auf die Qualität des Leders legen. Von sehr hoher Qualität ist vegetabil (d.h. pflanzlich nicht chemisch) gegerbtes Leder, wie z.B. Herman-Oak-Leder. Viele von Euch möchten bestimmt gerne einen schwarzen Sattel, doch davon möchte ich pauschal, bis auf wenige Ausnahmen, einmal abraten. Leider zeigt die Erfahrung, daß viele schwarze Sättel eine sehr schlechte Lederqualität aufweisen, welche mit der dick schwarz aufgetragenen Farbe übertüncht wird. Mittlerweile gibt es Westernsättel in sehr vielen schönen Farben, die bei den entsprechenden Bildern der unterschiedlichen Sättel, beschrieben werden.
Ein Tip: Wenn Ihr möchtet, das Euer heller Sattel auch hell bleibt, ölt ihn nicht ein, sondern wachst ihn. Soll dagegen der Sattel dunkler werden, tragt mehrmals hintereinander (besser als auf einmal viel) Öl auf.
Bei beiden Verfahren nicht vergessen den Sattel vor dem wachsen oder ölen mit einem weichen feuchten Schwamm und guter Sattelseife zu reinigen. So öffnen sich die Poren, sofern es sich um pflanzlich gegerbtes Leder handelt, und die Pflegeprodukte können besser eindringen. Bitte nicht vergessen die gesamten Kanten des Leders ebenfalls zu pflegen, denn dort wird erfahrungsgemäß mit Pflege gespart. Am besten ein Stück Jeansstoff nehmen, dick mit fast trockener Sattelseife bestücken und damit die Lederkanten kräftig versiegeln.
Verzierungen
Soviel unterschiedliche Farben es gibt, soviel unterschiedliche Verzierungen gibt es auch im und auf dem Leder. Dabei sind bei qualitativ hochwertigen Sätteln die Verzierungen per Hand eingestanzt (daran zu erkennen, daß sich das Muster auf der Unterseite des Leders deutlich durchdrückt); bei maschinell gestanztem Leder heben sich die Verzierungen nur oberflächlich ab.
Zu welcher Verzierung der einzelne Käufer tendiert, ist vom jeweiligen Geschmack abhängig. Wenige Sättel werden noch in Glattleder angeboten, die meisten Sättel sind, je nach Einsatzmöglichkeit und -gebiet mehr oder weniger verziert.
Wenn nicht mit Korbmuster oder Blumenmuster dann mit anderen Phantasievollen Verzierungen je nach Lust und Laune des Sattlers oder nach Wunsch des Kunden (Custom-made). Machbar ist so ziemlich alles.
Die Lederverzierungen haben nicht nur einen ästhetischen sondern auch einen praktischen Nutzen. Durch das Einstanzen der Muster wird das Leder verdichtet und der Sattel haltbarer, besonders an den Fendern, die einer erhöhten Zugbelastung durch das Auf- und Absteigen ausgesetzt sind. Der linke Fender ist hiervon hauptsächlich betroffen, da meist von links aufgesessen wird.
Tip: Ab und zu von rechts aufsteigen. Dies dient der Balance des Pferdes und der eigenen Gelenkigkeit. Ferner dehnen sich die Bügelleder gleichmäßig.
Bei vielen Showsätteln werdet Ihr auch eine mehr oder weniger starke Ausstattung an Silberverzierungen vorfinden. Bei qualitativ hochwertigen Sätteln handelt es sich dabei meist um Sterling Silber welches Handgraviert ist. Bei Allroundsättel dagegen wird zur Auflockerung des Designs auch schon einmal Latigoleder oder Bullenhaut zur Verzierung, z.B. am Cantle, verarbeitet.
Der Sitz
Der Sitz, es gibt ihn in 14″ bis 17″ (1″ = 2.54 cm), den Cuttingsattel auch bis 17″ und den Ponywesternsattel auch in 12, 5″, ist meist aus Glatt-, Nubuck- oder Wildleder. Beide Ausführungen gibt es gepolstert oder ungepolstert. Die Sitzgrößen variieren allerdings ein wenig je nach Ausarbeitung des Sitzes. Hat ein Sitz z.B. viel built up, so kann die Sitzfläche kleiner erscheinen, ebenso wenn er ein sehr steiles Cantle aufweist. Wenn die Sitzflächen gepolstert sind, sollten sie keinesfalls sehr feucht gereinigt oder gar geölt werden, da die Polsterung die Feuchtigkeit aufsaugt. Ein gepolsterter Glattledersitz sollte lediglich leicht feucht abgewischt werden und der Wildledersitz mit einer Bürste aufgeraut werden.
Der glatte Ledersitz ohne Polsterung erscheint dem Reiter beim ersten Probesitzen sehr hart, doch kommt es bei allen genannten Möglichkeiten darauf an, wie der Sitz geformt ist. Die Formung des Sitzes ist ein wenig abhängig von der Disziplin die Ihr reiten möchtet. Ein Cuttingsattel hat z. B. einen langen flachen Sitz mit wenig “built up”. Das extreme Gegenbeispiel wäre z.B. ein Racing Sattel wie er beim Barrel Racing verwendet wird. Dieser Sitz hat viel built up und einen kurzen Sitz mit einem hohen Cantle damit der Reiter viel Halt hat.
Allgemein gilt: der Sitz sollte nicht zu lang (groß) sein, da dann die Gefahr besteht, daß sich der Reiter zu weit nach hinten setzt, seine Beine nach vorne streckt und somit seinen Bügeln “hinterherreitet”. Diese Sitzposition ermöglicht dem Reiter keinesfalls eine gelöste und entspannte Position im Schwerpunkt des Sattels zu finden
Bügelleder und Steigbügel
In diesem Zusammenhang sollte auch auf die Aufhängung der Steigbügelleder, der Fender, hingewiesen werden. Die Position der Bügelleder zum tiefsten Punkt des Sitzes ist sehr wichtig, da sich daraus die Positur des Reiters ergibt. Die Bügel (stirrups) sollten für den Allroundgebrauch eine breitere Trittfläche haben, damit der Fuß des Reiters fest im Bügel stehen kann und somit die Möglichkeit einer eventuellen Belastung durch Gewichtsverlagerung des Reiters möglich ist. Mit ein Kriterium für die Breite der Steigbügel ist sicher auch die Schuhgröße des Reiters oder der Reiterin, deshalb bekommt man die meisten Bügel, seien es Alu-Steigbügel, Messing-Steigbügel, Holz- oder Showsteigbügel in Breiten von 2,5″-3″. Einfach einmal ausprobieren womit man am besten zurecht kommt.
Eine Ausnahme in der Form sind die Bügel eines Cuttingsattels. Diese sind recht schmal gehalten und haben die Form eines Tropfens, d.h. sie haben keine flache sondern eine “runde” Trittfläche. Der Cuttingreiter, welcher im Cuttingsattel mit der großen, flachen Sitzfläche weiter hinten sitzt, kann diese Form der Bügel besser “festhalten” und sie so bei den rasanten Cuttingmanövern seines Pferdes nicht verliert.
Die Skirts
Ein Problem ergibt sich manchmal wenn ein Reiter einen großen Sitz benötigt, sein Pferd aber einen kurzen Rücken hat, wie z.B. ein Haflinger oder ein Araber. Manchmal benötigen diese Pferde einen Round Skirt Sattel da die Skirtings gegebenenfalls bei einem Square Skirt zu lang sind und unter Umständen gegen die Hüfthöcker drücken und somit dem Pferd eventuelle Biegeübungen erschweren.
Ein Round Skirt Sattel ist oft insgesamt ein wenig kürzer, so daß der Sitzgröße Grenzen gesetzt sind. Dagegen gibt es den meist verwendeten Square Skirt Sattel in so ziemlich allen Sitzgrößen, -formen und Cantle Ausführungen. Beim Kauf eines Sattels sollte darauf geachtet werden, daß das rechte und linke Skirt nicht fest miteinander verbunden sind, sondern z.B. mit Lederriemen zusammen gehalten werden. So ist es möglich, wenn die Skirts zu eng sind, diese durch Lockern der Lederriemen etwas zu weiten.
Fork, Swell & Horn
Die Form des Cantle bestimmt auch meist die Form und Größe von Swell, Fork und Horn.
In den meisten Disziplinen spielen Fork und Horn eine untergeordnete Rolle. Bei vielen Equitation- und Reining Sätteln sind Fork und Swell etwas nach vorne geneigt. Das Horn ist niedrig gehalten, damit nichts den Reiterhänden im Weg ist. Bei einem Cutting-Sattel dagegen ist das Horn lang, schmal und gerade. So ist es dem Reiter möglich mit einer Hand das Horn zu umschließen und sich während des Cuttingsmanövers daran festzuhalten.
Der in unseren Gefilden eher selten anzutreffende Roping-Sattel sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt. Die Besonderheit dieses Sattels ist, daß Horn, Fork, Swell und Tree aus einem Stück gefertigt sind, um maximale Stabilität zu erreichen. Nur so hält der Sattel die Belastungen aus, die auftreten, wenn ein mit dem Lasso gefangenes Kalb mit seinem ganzen Gewicht am Sattelhorn hängt.
Back Chinch
Der Back Chinch (hinterer Bauchgurt) wird hierzulande selten benutzt. Ursprünglich war er bei der Rancharbeit unverzichtbar. Der Back Chinch wird am Flank Billet befestigt, welcher sich am hinteren Teil des Sattels befindet. Der Back Chinch verhinderte ein “überschlagen” des Sattels nach vorne über den Pferdehals wenn ein Kalb mit Hilfe des Lassos, welches am Horn befestigt ist, zu Fall gebracht wurde.
Möchtet Ihr also, z.B. aus optischen Gründen einen Back Chinch benutzen, ist es wichtig, das Ihr diesen keinesfalls angurtet wie einen Bauchgurt. Es sollte immer noch eine Hand zwischen Gurt und Pfedekörper passen, damit der Back Chinch nur im Falle des Falles zum Einsatz kommt. Wichtig ist es auch den Back Chinch mit einem Verbindungsriemen am vorderen Bauchgurt zu befestigen, damit er nicht nach hinten in die Weichteile des Pferdes rutscht.
Rigging
Der Gurt selbst wird unter Zuhilfenahme von Off Billet (rechte Seite) und Tie Strap (linke Seite) am Sattel befestigt. Es gibt verschieden Arten der Rigging. Immer mehr Verwendung findet die Inskirt Rigging, bei der das Off Billet oder des Tie Strap direkt in die Skirts verschnallt werden. Eventuell sind auch Metallringe in das Leder der Skirts eingearbeitet, so daß wenig Leder und Metall zwischen Reiterbein und Pferd liegt und somit eine bestmögliche Hilfegebung gewährleistet ist, da die Fender ebenfalls ein freies Spiel haben.
Die Offskirt Rigging ist die “ursprüngliche” Rigging wie man sie oft bei Arbeitssätteln, Ropingsätteln und Oldtimersätteln findet.Dabei liegen die D-Rings, an denen Off Billet und Tie Strap befestigt werden, auf dem Leder. Leider nehmen hier manchmal die Fender Schaden, da sie eventuell an der Rigging scheuern.
Die Positionierung der Rigging, egal ob Inskirt oder Offskirt, ist mit entscheident für die Lage des Sattels. Wenn ein Sattel z.B. in allen Kriterien passt, die Gurtlage des Pferdes sich aber recht weit “vorne” befindet, die Rigging aber weiter hinten angebracht (3/4 oder 5/8 Position), so besteht die Möglichkeit, das der Sattel nach dem Angurten mit der Zeit nach vorne rutscht oder “gezogen” wird, obwohl er zuvor bestens paßte. Ebenso kann eine weit vorne angebrachte Rigging (z.B. 7/8 oder full) bei Pferden mit kräftiger Schulter den Sattel nach hinten rutschen lassen. Also auch immer bei dem Kauf eines Sattels nicht nur auf die Passform in Bezug auf Bars, Gulletbreite- und -höhe, Skirts usw. achten, sondern auch unbedingt auf die Rigging.
Empfehlen können wir eine 3-Wege inskirt Rigging, d.h. die Rigging ist in das Leder eingearbeitet und hat drei Möglichkeiten der Gurtung. Einmal die sogenannte Full Double Rig, dabei wird das Tie Strap,wleches im vorderen Ring befestigt ist, auch durch den vordersten Ring gegurtet, dann die 7/8 Double Rig, bei ihr wird das Tie Strap, welches im vorderen Ring befestigt ist, ebenfalls noch durch den zweiten Ring gegurtet und zum Schluß noch die ¾ Double Rig bei der das Tie Strap im hinteren Ring befestigt ist und ebenfalls dort gegurtet wird.